Lachen

Drei Dinge jagten dem Schauspieler Peter Lorre Angst ein: »Das Angebot, King Kong zu spielen, eine Kakerlake in den Spaghettis und das Gelächter einer Frau.« Vor allem das letzte klingt auf Anhieb nicht ganz verständlich. Wer von den näheren Umständen weiß - Lorre stand in der Garderobe und hatte sich gerade ausgezogen, als die betreffende Frau hereinkam -, nickt voller Mitgefühl. Das Lachen einer Frau kann einen Mann locken, aber auch verunsichern, verletzen und auf unvergeßliche Art entmutigen.
Theodor W. Adorno, in dessen Vorlesungen das Lachen grundsätzlich verboten war, analysierte messerscharf: »Als ein schlechtes erzählt weibliches Lachen von Personen, wo es angezeigt wäre, den Sachverhalt dialektisch aufzuschließen; erweist sich hier die Trennung von Frau und Lachen als eine irreversible, so will doch die Naivität des Hörenden von ihr keine Notiz nehmen und sich mit der Restitution als einer unumkehrbaren ins Chaotische des Weiblichen fallen lassen.« Im kleinen Kreis traute sich der Denker später, ein wenig deutlicher zu werden: »Das Lachen gewisser Frauen ist reine Selbstbefriedigung.«

Gemeint ist vermutlich die grelle Lache, die sich überfallartig auf wehrlose männliche Zuhörer stürzt, wie es immer wieder im Zugabteil, im Büro oder beim gemischten Friseur geschieht. »Harmlos in einem Journal blätternd, ward ich auf einmal von einem üblen Lachen überfallen«, notierte der französische Komiker Jacques Tati. »Es wiederholte und steigerte sich ins schrill Gellende, horribel Keifende, so daß mir nichts anderes übrigblieb, als mitten im Haarschnitt abzubrechen, Francois ein mageres Trinkgeld zuzustecken und den Ort des Grauens zu verlassen.« Hätte er es nicht getan, wäre vielleicht ein Hörschaden die Folge gewesen.

»Hörstürze treten heute bei Männern deshalb so häufig auf, weil Frauen so laut und ungehemmt lachen wie nie zuvor in der Geschichte«, lehrt der Kasseler Hörgeräte-Akustiker Dr. Fritz Lundius. Lundius schickt, wie mittlerweile auch viele HNO-Ärzte, seine Patienten nach Bad Sülze. Der Kurort war der erste in Deutschland, der schrille Geräusche verbot und weibliches Lachen auf die Zeit zwischen 17.00 und 17.30 Uhr beschränkte; Zuwiderhandlung wird zuerst mit Meditation, bei Wiederholung mit Kurausschluß geahndet. Bad Sülze ist seit langem ein Geheimtip unter Empfindsamen und Hagestolzen und sei an dieser Stelle nachhaltig empfohlen.

Und doch kann eine Kur dem grundsätzlichen Problem nicht abhelfen. »Das Lachen einer Frau ist immer schrecklich für einen Mann, solange ihm unklar bleibt, ob sie ihn nicht auslacht«, schrieb der Musiker Frank Zappa. »Und selbst, wenn das gerade nicht der Fall ist, weiß er doch: Einmal wird sie es auf diese Weise tun.«


Auszug aus:

Dietmar Bittrich, Lothar Schöne
Männerschreck
Alles was Männer Angst macht - Von A bis Z
Ein satirisches Handbuch
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1996